Kanu – ein Präventionsangebot für Familien
mit elterlicher psychischer Erkrankung

Kanu-Logo

Ansprechpartnerin: Bianca Post, Tel. 0521 97797815
b.post@kinderschutzbund-bielefeld.de

Für die Patenschaften: Sybille Kunz-Hassan, Tel. 0521 97797814
s.kunz-hassan@kinderschutzbund-bielefeld.de

Sie möchten Patin/Pate für ein Kind aus dem Kanu-Angebot werden? Ein einfühlsamer Mensch, der kontinuierlich an der Seite eines Kindes steht, ist dessen höchster Schutzfaktor.* Wir freuen uns über Ihr Engagement!

Aktuell: Ferienspaß vom 21. bis 25.08.2017

Unsere beliebte Ferienwoche im Rahmen des Kanu-Präventionsangebotes für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren, deren Eltern psychisch belastet sind, findet auch dieses Jahr wieder statt. Dieses Mal unter dem Motto "Wir machen Theater". Viele Aktionen rund um das Theaterspielen und ein Auflug in den 4-Jahreszeiten-Park Oelde sind geplant.
Infoblatt und Anmeldung

Gemeinsam weiterkommen

Die psychische Erkrankung eines Elternteils oder beider Eltern hat Auswirkungen auf die gesamte Familie, denn auch die Kinder befinden sich dadurch häufig in einer belastenden Lebenssituation. Hier setzt das Präventionsangebot Kanu an: Unter dem Motto »Gemeinsam weiterkommen« bietet Kanu Gesprächs- und Beratungsmöglichkeiten für betroffene Familien. Ziel des Angebotes ist es, Familien bei der Bewältigung ihrer Situation zu unterstützen und auf diesem Wege nachhaltig dazu beizutragen, einer psychischen Erkrankung der Kinder vorzubeugen.

Kanu ist ein Kooperationsangebot gemeinsam mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld gGmbH.

Kanu-Infoblatt zum Download

Der Rahmen

  • Teilnehmen können Familien mit Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren, bei denen ein oder beide Elternteil(e) psychisch belastet sind oder an einer Depression, einer bipolaren Störung, einer Schizophrenie, einer Abhängigkeits- oder einer sonstigen psychischen Erkrankung leiden.
  • An 10 aufeinander aufbauenden Terminen treffen sich Eltern und Kinder jeweils montags von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr in getrennten Gruppen. Die Gruppentreffen finden i.d.R. in der Tagesklinik Ost des Evangelischen Krankenhauses statt. Die Kanu-Familien können in Begleitung einer Vertrauensperson teilnehmen.
  • Begleitend zu den Gruppenterminen werden Eltern-, Kinder- und Familiengespräche angeboten.
  • Als ergänzendes und langfristiges Angebot für Familien mit besonderem Bedarf werden Patenschaften vermittelt.

Offenes Café für Eltern mit psychischer Belastung und ihre Kinder

Jeweils am letzten Freitag eines Monats von 16.00 bis 18.00 Uhr bietet das Kanu-Café die Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein. Es wird geklönt, Erfahrungen werden ausgetauscht, ehemalige Kanu-Familien treffen sich wieder und es werden neue Kontakte geknüpft. Der große Garten und Spielplatz lädt die Kinder zum ausgelassenen Spielen ein. Außerdem wird (nicht nur) für die Kinder ein besonderes Bastelangebot durchgeführt.

Das Kanu-Café findet im Kinderschutzhaus in der Ernst-Rein-Str. 53 in Bielefeld statt.
Es wird ein Kostenbeitrag von 2 Euro pro Familie erhoben.
Alle interessierten Eltern mit psychischer Belastung und ihre Kinder sind herzlich willkommen.

Das Team

Michael Leggemann, EvKBCarmen Leichsenring, EvKBMiriam Sander, EvKB

Von links: Bernd Heide (DKSB), Jutta Kuhnhenn (DKSB), Michael Leggemann (EvKB), Carmen Leichsenring (EvKB), Bianca Post (DKSB), Miriam Sander (EvKB)

 

Die Kanu-Bausteine –
weiterführende Informationen

Elterngruppe

Eltern mit einer psychischen Belastung oder Erkrankung bzw. Angehörige machen sich häufig besonders viele Gedanken um die Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder. Die Befürchtung, auf Grund der seelischen Belastung den Anforderungen des Erziehungsalltages und den Bedürfnissen ihrer Kinder nicht gerecht werden zu können, wird von der Mehrheit der Kanu-Eltern geteilt. Die Elterngruppe bietet die Gelegenheit, sich mit anderen Müttern und Vätern über die Herausforderungen, vor die eine psychische Erkrankung die ganze Familie stellen kann, auszutauschen, Ratschläge für die Bewältigung des Familienalltags zu besprechen und neue Kraft zu schöpfen.

Die Eltern erhalten vom Kanu-Team »Werkzeug« an die Hand für ein Erziehungsverhalten, dass die Entwicklung ihrer Kinder positiv unterstützen kann. Themen sind u.a. aktives Zuhören, Ich –Botschaften, Lob und Ermutigung, Grenzen setzen sowie der Umgang mit Konflikten.

Ein zentraler Aspekt der Gruppenarbeit ist der Umgang mit der Erkrankung gegenüber dem Kind bzw. den Kindern. Fragen wie Wie viel und welche Informationen über die Erkrankung sollte/muss mein Kind haben? und Wie erkläre ich meinem Kind altersentsprechend etwas über meine Erkrankung? werden gemeinsam diskutiert und Lösungsmöglichkeiten besprochen.

Kinder- und Jugendlichengruppe

Eine psychische Erkrankung der Eltern stellt nicht nur für die Mütter und Väter selbst sondern häufig auch für ihre Kinder eine besonders schwierige Lebenssituation dar. Die elterliche Erkrankung kann zu einer gravierenden Änderung des familiären Alltags führen. Seelische Belastungen, die daraus für ein Kind resultieren können, sind u.a.: Scham- und Schuldgefühle, mangelnde Orientierung, Schweigegebot, Angst, »Parentifizierung« (d.h. das Kind übernimmt die soziale Rolle des Erwachsenen), Isolation. Darüber hinaus bergen diese Belastungen ein erhöhtes Risiko, dass die Mädchen und Jungen selbst Verhaltensauffälligkeiten oder psychische Erkrankungen entwickeln.

In der Kinder- und Jugendlichengruppe treffen sich 6–14jährige, die sich in derselben Lebenssituation befinden; in einer Familie aufzuwachsen, deren Alltag in unterschiedlicher Ausprägung durch die Erkrankung der Eltern bestimmt wird.

Als Gegengewicht zu Ausgrenzungs- und Stigmatisierungserfahrungen, denen viele der Mädchen und Jungen in ihrem sozialen Umfeld begegnen, bietet die Kanu-Gruppe »Normalität« in zweifacher Hinsicht: Die Kinder und Jugendlichen erfahren in vertrauensvoller Atmosphäre zum einen dass psychische Belastungen und Erkrankungen Bestandteil des alltäglichen Lebens sind und zum anderen können sie ganz Kind bzw. Jugendlicher sein, ausgelassen toben, kreativ sein, den Kontakt zu anderen Kindern genießen.

Das gemeinsame Spiel und das kreative Arbeiten stärken die sozialen Fähigkeiten der Mädchen und Jungen. Die aufbauenden Erlebnisse in der Gruppe sowie Übungen zu den eigenen Stärken und Gefühlen unterstützen die positive Entwicklung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.

Rollenspiele und Geschichten dienen als Gesprächseinstieg und -anregung für das Thema »psychische Erkrankungen«. Die Kinder werden motiviert, über ihren eigenen Familienalltag zu berichten und sie werden einfühlsam und altersgerecht über verschiedene Krankheitsbilder und –symptome informiert.

Einzel- und Familiengespräche

Begleitend zu den Gruppen werden sowohl mit der Familie zusammen als auch mit einzelnen Familienmitgliedern ein oder mehrere Gespräche geführt. Dabei geht es vor allem um die Auswirkungen der psychischen Erkrankung auf das Familiensystem, insbesondere auf die Kinder, und um vorhandene Stärken und Bewältigungsmöglichkeiten.

Gemeinsam wird besprochen, ob die jeweiligen Familien noch weitere Unterstützung benötigen (z.B. sozialpädagogische Familienhilfe oder einen Therapieplatz) und wo sie diese bekommen können.

Die Kinder und Jugendlichen nutzen die Einzelgespräche gerne um Fragen zu stellen, die sie in der großen Gruppe nicht zu fragen wagen oder die sie noch einmal individuell beantwortet haben möchten, z.B. detaillierte Fragen zur Erkrankung der Eltern (Vererbarkeit, Heilungschancen für die Eltern). Sie erzählen über Probleme in der Schule und mit Freunden und gemeinsam wird überlegt, welche Lösungsmöglichkeiten in Frage kommen.

In Vorbereitung für ein Familiengespräch können die Mädchen und Jungen Fragen oder Anliegen benennen, die sie mit der Unterstützung der jeweiligen Kanu-Mitarbeiterin ansprechen möchten (z.B. dass Mutter oder Vater ehrlich auf Fragen nach ihrem Befinden antworten sollen oder dass sie sich mit den Aufgaben im Haushalt überfordert fühlen).

Patenschaften

*Ein einfühlsamer Mensch, der kontinuierlich an der Seite eines Kindes steht, ist dessen höchster Schutzfaktor. (Katja Beeck, AMSOC)

Diese Aufgabe leisten die Patinnen und Paten in Familien mit psychisch belasteten Eltern. Sie schaffen Normalität, damit das Kind »Kind« bleiben kann. Seine Bedürfnisse werden in den Mittelpunkt gestellt.

Durch einen verlässlichen, kontinuierlichen Ansprechpartner, bei dem die Kinder Rückhalt finden und zu dem sie eine längerfristige emotionale Bindung aufbauen, werden die kindlichen Entwicklungschancen insgesamt verbessert.

Für den Erfolg einer Patenschaft sind vor allem das Einverständnis und die Grundsympathie aller Beteiligten zueinander ausschlaggebend.

Was sind die Aufgaben in einer Patenschaft?

Die Patinnen und Paten holen ihr Patenkind ein- bis zweimal in der Woche (je nach Bedarf) für drei bis vier Stunden zuhause ab. Sie eröffnen den Kindern neue Erfahrungswelten wie z.B. durch den Besuch des Naturkundemuseums oder der Stadtbibliothek aber auch durch sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Fuß- oder Volleyball, Klettern oder Schlittschuhlaufen. Sie unterstützen in schulischen Dingen, leisten Hausaufgabenhilfe und sprechen nach Absprache mit den Eltern auch mit Lehrkräften.

Die Kinder kommen auf Grund der Aktivitäten mit den Patinnen und Paten aus der belasteten Situation heraus und erleben, dass der Fokus nur auf ihre Bedürfnisse gerichtet wird. Sie haben Spaß, sie fühlen sich verstanden und ihre Last wird meist leichter, weil sie ihre Sorgen mit jemandem teilen können.

In regelmäßigen Abständen finden auch gemeinsame Aktionen mit allen Patinnen und Paten und den Patenkindern statt, was allen viel Spaß bereitet, z.B. der Besuch des Weihnachtsmärchens, Plätzchen backen, Bowling oder Spiele-Nachmittag.

Die Finanzierung der Patenschaften erfolgt über die wirtschaftliche Jugendhilfe der Stadt Bielefeld. Jeder Pate/-in erhält monatlich eine Aufwandsentschädigung, die alle Unternehmungen mit dem Kind abdeckt (Fahrtkosten, Eintrittsgelder…)

Die Patinnen und Paten werden mit ihrer Aufgabe nicht allein gelassen. Sie werden fachlich begleitet, von der Einarbeitung über den Zusammenführungsprozess mit den Familien und dem Kind bis hin zu Gesprächen mit allen Beteiligten. Außerdem gibt es für die Patinnen und Paten jeden Monat ein Austauschtreffen, das von einer Fachkraft des Kinderschutzbundes begleitet wird. Bei dem Treffen können eventuelle Konflikte/Probleme erörtert und das eigene Verhalten reflektieren werden. Eine Fachkraft der Fachstelle für Kinderschutz sowie ein Mitarbeiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Ev. Krankenhauses nehmen im Wechsel ebenfalls an den Treffen teil und stehen zur Beratung zur Verfügung. Einzelberatungen sind ebenfalls möglich.